Mittwoch, 16. Oktober 2013

Erste Ausbildungsstudie von McDonald's - Gespräch mit Wolfgang Goebel

Seit dem 10. September 2013 liegt sie vor: Die McDonald's Ausbildungsstudie. Ich habe sie in meinem Blog schon kurz vorgestellt. Auch auf dem World Talent Forum in München oder bei Gesprächen mit Vertretern kleiner und mittelständischer Unternehmen konnte ich feststellen, dass über die Aussagen der Studie diskutiert wird. Auch mit meinen Studierenden werde ich darüber diskutieren. Deshalb freue ich mich sehr, dass ich mit Herrn Wolfgang Goebel, Personalvorstand bei McDonald's Deutschland, über die Studie sprechen kann.


Wald: Herr Goebel, vornweg herzlichen Dank, dass ich Ihnen einige Fragen zur McDonald's Ausbildungsstudie 2013 stellen kann.
Goebel: Sehr gerne.

Wald: Warum von McDonald's eine so umfangreiche Ausbildungsstudie in Zusammenarbeit mit Allensbach – die bestimmt nicht zum Null-Tarif zu bekommen ist? Liegt es nur an den Erkenntnissen zu möglichen Vorteilen bei der Rekrutierung von Auszubildenden und jungen Erwachsenen oder steckt mehr dahinter?

Goebel: Im Grunde stecken zwei Beweggründe hinter diese Studie: Zum einen haben wir natürlich als ausbildendes Unternehmen ein eigenes Interesse an den Ergebnissen und wollen diese auch für unser Employer Branding bzw. Recruiting nutzen. Zum anderen möchten wir mit dieser Studie aber auch einen Anlass schaffen, um mit anderen Unternehmen, Stakeholdern, Politikern und Bildungsinstitutionen in den Dialog zu treten. Die aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt kann für uns alle nicht zufriedenstellend sein und wir sollten gemeinsam an Lösungen arbeiten – mit der Studie machen wir einen ersten Schritt in diese Richtung.

Wald: Es ist erkennbar, dass Sie mit der Studie den Blick eindeutig auf die Erwartungen und Erfahrungen von Schülern, Auszubildenden und jungen Mitarbeitern/-innen richten. Darin sehe ich durchaus Vorteile der Studie. Warum wurden Studierende weniger berücksichtigt?
Goebel: Auch hier spielen verschiedene Faktoren eine Rolle – einerseits ist die Zielgruppe der Studierenden rein quantitativ für uns weniger relevant als die der Auszubildenden mit Haupt- oder Realschulabschluss. Wir sind aber auch pragmatisch an das Problem herangegangen: Bisher gab es einfach keine vergleichbare Studie mit einem Schwerpunkt auf Azubis und deren Gemütslage. Daher war es für uns eine logische Konsequenz, eine darauf zugeschnittene neue Untersuchung in Auftrag zu geben, die für alle Unternehmen, die ausbilden, gleichermaßen interessant ist.

Wald: Was sind aus Sicht des Personalvorstandes die wichtigen Erkenntnisse der Studie? Kann dabei zwischen allgemeinen Erkenntnissen und denen mit besonderem Gewicht für McDonald's unterschieden werden?
Goebel: Natürlich sind alle Ergebnisse für uns relevant, wir sind aber in diesem Fall „nur“ der Auftraggeber der repräsentativen Studie, die vom Institut für Demoskopie Allensbach in Zusammenarbeit mit dem renommierten Jugendforscher Prof. Dr. Klaus Hurrelmann durchgeführt wurde. Wichtig ist für uns vor allem, dass wir ein umfassendes Verständnis entwickeln, was Jugendliche heute von einer Ausbildung erwarten und was wir verändern müssen, um auch in Zukunft motivierte Auszubildende rekrutieren zu können. Ich denke, jedes Unternehmen kann aus unserer Studie für sich relevante Ergebnisse ziehen – welche dabei besonders interessant sind, ist natürlich je nach Branche und Ausbildungsangebot unterschiedlich.

Wald: Wie stellt sich McDonald's auf die veränderten Bildungsanforderungen ein?
Goebel: Wir investieren mehr, um auch Bewerber mit mangelhafter Ausbildungsreife in unsere Ausbildungswege zu integrieren. Noten stehen bei uns nicht im Vordergrund, wenn das Engagement, die Zuverlässigkeit und die Motivation eines Bewerbers überzeugen. Stimmen diese Voraussetzungen, geben wir eine Chance – wie diese genutzt wird, hängt dann von jedem selbst ab. Unsere umfangreichen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen ermöglichen jedem Mitarbeiter seine Karriere voranzutreiben, egal auf welcher Stufe er sich befindet. Diese Flexibilität ist notwendig, um die Potentiale unserer Bewerber und Mitarbeiter optimal zu fördern und einzusetzen.

Wald: Wo sehen Sie auf Basis der Erkenntnisse dieser Studie geänderte Schwerpunkte bei der Rekrutierung von Auszubildenden? Gibt es wieder eine Employer-Branding-Kampagne wie im letzten Jahr z. B. mit TV-Spots zur Primetime?
Goebel: Die Einbindung der Eltern als Zielgruppe ist sicherlich etwas, das wir in Zukunft noch stärker angehen werden. Zudem sehen wir uns darin bestätigt, dass wir bei der aktuellen Azubi-Kampagne fast ausschließlich auf Online-Kanäle gesetzt haben. Lassen Sie sich überraschen, wie wir die Ergebnisse in unser Employer Branding einfließen lassen!

Wald: Lassen sich aus der Studie auch Hinweise ableiten, was die besonderen Faktoren für die Bindung junger Mitarbeiter/-innen angeht?
Goebel: Sich langfristig an einen Arbeitgeber zu binden, wird von der jungen Generation immer weniger angestrebt – wie die Studie zeigt, führt Zufriedenheit nicht zwingend zu größerer Loyalität. Das macht die Bindung von Mitarbeitern für Arbeitgeber heute natürlich schwieriger. Andererseits wissen wir aus der Studie auch, welche Faktoren für Jugendliche eine attraktive Ausbildung ausmachen und was ihnen im Job besonders wichtig ist. Diese Faktoren sollte ein Unternehmen im Umkehrschluss aufnehmen, um eine bestmögliche Bindung aufzubauen. Stichworte wie eine abwechslungsreiche Tätigkeit, eine positive Unternehmenskultur und Anerkennung fallen mir hier spontan ein.

Wald: Gestatten Sie mir noch eine Frage zum Schluss, denn ich habe nicht oft die Gelegenheit für ein solches Gespräch. Sie fungieren seit 2007 als Personalvorstand bei McDonald's Deutschland. Was sind für Sie die wichtigsten Veränderungen der letzten Jahre und wo sehen Sie die Herausforderungen für das Personalmanagement in den nächsten Jahren?
Goebel: Aus meiner Sicht ist die Entwicklung hin zu einem Arbeitnehmermarkt die prägendste Entwicklung der letzten Jahre. Nachdem dies zunächst nur für die Top Talente mit Universitätsabschluss galt, verlagert sich der sogenannte Kampf um Talente zunehmend in das Feld der Fachkräfte. Auch müssen wir Lösungen zur Integration älterer Arbeitnehmer entwickeln. Gerade für Branchen mit körperlicher Arbeit wird dies zu einer ernsten Herausforderung.

Wald: Ganz herzlichen Dank für das Gespräch! Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg und "bald" wieder eine so informative und umfangreiche Ausbildungsstudie.


Wolfgang Goebel
Mein Gesprächspartner, Wolfgang Goebel, ist seit dem 1. Mai 2007 als Vorstand Personal von McDonald's Deutschland verantwortlich für rund 64.000 Mitarbeiter. Angefangen hat Wolfgang Goebel vor 28 Jahren als Trainee im Restaurant am Dom in Köln. Nach nur einem Jahr wurde er zum Restaurant Manager befördert. Zwischen 1985 und 1995 trug er als Bezirks- und Gebietsleiter die Verantwortung für mehrere Restaurants. Von 1995 bis 2005 war Goebel als Regionaldirektor für verschiedene Bundesländer zuständig - zuletzt Nordrhein Westfalen. Mit der Position als Vorstand Operations kam 2006 der Umzug in die Deutschlandzentrale nach München.

In seiner heutigen Funktion kümmert sich Wolfgang Goebel vor allem um die laufende Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowie die Karriere-, Entwicklungs- und Fortbildungsmöglichkeiten aller Mitarbeiter in Deutschland. Er engagiert sich über seine Tätigkeit bei McDonald's hinaus in zahlreichen ehrenamtlichen Funktionen. So wurde er 2007 zum Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbandes der Systemgastronomie e.V. (BdS) gewählt, dem er heute als Präsident vorsitzt. Zudem ist er seit November 2009 als einziges Mitglied aus der Gastronomie im Präsidium der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) vertreten. Darüber hinaus setzt sich Wolfgang Goebel als Mitglied im Stiftungsrat der McDonald's Kinderhilfe Stiftung für schwer kranke Kinder und deren Familien ein.

Und: Wolfgang Goebel bloggt auch ... unter employerbranding-blog.de

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen