Dr. Daniel Mühlbauer-Kerber weithin bekannt als DATA-DAN hat nach dem Abschluss seiner Promotion am Institut für Personalwirtschaft der LMU München, ein Münchner Startup für People Analytics mitgegründet. Seine Leidenschaft gilt der Kombination aus Datenanalysen, künstlicher Intelligenz und digitalen Tools zur Wegbereitung in die Zukunft der Arbeit und des People Managements. Mit seinem Angebot HR Datenliebe möchte er für die Zukunft der Arbeit inspirieren. Modernes People Management versteht er als Daten-basierte Entscheidungsfindung durch People Analytics, sinnvolle Verknüpfung von menschlicher und künstlicher Intelligenz sowie die proaktive Gestaltung einer personalisierten People Experience. Mit seiner Montagsmaschine liefert er jeweils einen KI-Deep Dive zum Wochenstart. Zudem beantwortet er drängende Fragen rund um KI mit Impact auf HR Teams.
Leipziger-HRM-Blog
Sonntag, 13. September 2026
Human in the Lead nicht Human in the Loop - Statement von Data-Dan im Vorfeld des HR Innovation Days 2026
Dr. Daniel Mühlbauer-Kerber weithin bekannt als DATA-DAN hat nach dem Abschluss seiner Promotion am Institut für Personalwirtschaft der LMU München, ein Münchner Startup für People Analytics mitgegründet. Seine Leidenschaft gilt der Kombination aus Datenanalysen, künstlicher Intelligenz und digitalen Tools zur Wegbereitung in die Zukunft der Arbeit und des People Managements. Mit seinem Angebot HR Datenliebe möchte er für die Zukunft der Arbeit inspirieren. Modernes People Management versteht er als Daten-basierte Entscheidungsfindung durch People Analytics, sinnvolle Verknüpfung von menschlicher und künstlicher Intelligenz sowie die proaktive Gestaltung einer personalisierten People Experience. Mit seiner Montagsmaschine liefert er jeweils einen KI-Deep Dive zum Wochenstart. Zudem beantwortet er drängende Fragen rund um KI mit Impact auf HR Teams.
Donnerstag, 3. September 2026
KI löst kein einziges Kernproblem des Recruitings - Statement von Henrik Zaborowski vor dem HR Innovation Day 2026
Der diesjährige und für mich letzte HR Innovation Day ist per Stand heute (4. September 2026) fast ausgebucht. Ich freue mich sehr, dass ich wichtige Vertreter der HR Community mit einem Input an Bord habe. Diese Inputgeber werden dann auch das Hosting von Gesprächsrunden übernehmen. Die Workshops werden in zwei Runden durchgeführt, so dass jeder zu zwei thematischen Schwerpunkten diskutieren kann. Nachdem ich in der letzten Woche Philipp Schuch von Gradar und Marius Luther mit einem Statement bzw. einem Interview vorgestellt habe kann ich heute den Reigen dieser Vorstellungen fortsetzen. Mit Henrik Zaborowski konnte ich einen mehrfachen und langjährigen Unterstützer meines Formats für eine Mitwirkung gewinnen (Videos seiner Keynotes finden sich hier und hier). Henrik gehört zum "Tafelsilber" des HR Innovation Days und ich bin außerordentlich froh ihn diesmal dabei zu haben. Hier folgt sein Statement im Vorfeld des Events und eine Kurzvorstellung.
Mit der Aussage "KI löst kein einziges Kernproblem des Recruitings" liefert Henrik Zaborowski einen exzellenten Aufschlag für die Diskussion zum HR Innovation Day 2026. Weiterhin äußert er "In über 25 Jahren Recruiting habe ich eines gelernt: Es geht in der Personalauswahl nicht nur um Kompetenz und Erfahrung. Du musst mit den Menschen sprechen, um den Fit zum Job herauszufinden. Das wird auch KI nicht lösen können." Gern würde Henrik darüber diskutieren, dass ein CV ein mieser Verräter ist, wir keine KI für die Personalauswahl brauchen und wie wir trotzdem definitiv besser werden müssen.
Henrik Zaborowski ist Personalberater, Buchautor und Redner. Als Personalberater unterstützt er mit seinem Team Konzerne und Mittelständler bei der Besetzung unternehmenskritischer Positionen. Mit Slam Beiträgen und Keynotes - auch bei den HR Innovation Days in Leipzig - gelingt es ihm, Menschen zum Nachdenken zu bringen, zu überraschen und zu motivieren, Themen einmal anders zu betrachten. Darüber hinaus liefert er in seinem Podcast „HZaborowski – mit HR & CSR die Welt retten“ Ideen & Anregungen für eine nachhaltigere Wirtschaft und menschenzentriertes Arbeiten.
Freitag, 28. August 2026
KI und Recruiting - Gespräch mit Marius Luther über MADITA - die agentische Recruiterin
Wald: Ein Blick in den Leipziger HRM-Blog und die zurückliegenden HR Innovation Days zeigt, dass hier in der Vergangenheit oft Recruiting-Lösungen vorgestellt wurden (truffls, Jobpilot, Viasto). In den letzten Jahren gab es aus meiner Sicht etwas „Ruhe", was technische Recruiting-Lösungen angeht. Woran lag das?
Luther: Drei Gründe, und keiner davon ist besonders schmeichelhaft für unsere Branche.
Erstens war die Welle, die Sie beschreiben, eine Kanal- und Oberflächenwelle. Swipen statt Anschreiben, Video statt Telefon, Jobbörse statt Zeitung. Das hat verändert, wie Arbeit verpackt wird, nicht wer sie macht. Die eigentliche Arbeit im Recruiting, Unterlagen sichten, Gespräche führen, nachfassen, blieb komplett beim Menschen.
Zweitens ist zwischen 2015 und 2022 fast das gesamte Kapital in Bewerbermanagementsysteme und Suiten geflossen, garniert mit KI-Matching-Versprechen, die in der Praxis oft eine bessere Stichwortsuche waren. Viele HR-Bereiche haben sich daran die Finger verbrannt und sind seitdem zu Recht misstrauisch. Dann kamen Zinswende, Sparprogramme und ein abgekühlter Arbeitsmarkt, und Recruiting-Budgets sind das Erste, was gestrichen wird.
Drittens, und das ist der ehrlichste Grund: Die Technologie, um Recruiting-Arbeit tatsächlich zu erledigen statt sie nur zu verwalten, gab es schlicht nicht. Ein echtes, unterbrechbares Sprachgespräch in menschlicher Qualität, mit Nachfragen, die zur vorherigen Antwort passen, ist erst seit ungefähr anderthalb Jahren technisch und wirtschaftlich möglich. Vorher hätte jeder, der so etwas angekündigt hätte, gelogen.
Wald: In diese „Durststrecke" stoßen Sie jetzt mit Madita. Was hat Sie zu Madita veranlasst?
Luther: Wir sitzen bei HeyJobs an beiden Enden des Prozesses und haben gesehen, wie beide Enden gleichzeitig kaputtgehen. Auf der Bewerberseite ist die Menge explodiert, weil KI das Bewerben fast kostenlos gemacht hat. Ein Mensch verschickt an einem Nachmittag hunderte Bewerbungen, alle sauber formuliert, alle auf die Stelle zugeschnitten. Damit ist der Lebenslauf als Signal weitgehend entwertet. Auf der Unternehmensseite hat sich nichts bewegt: Das Team hat dieselbe Anzahl Stunden wie vorher und muss aus einem größeren Stapel schlechtere Signale herauslesen. Der Ausweg war bisher immer derselbe, härter filtern. Das trifft dann genau die Kandidatinnen und Kandidaten in der Grauzone, die auf dem Papier durchschnittlich aussehen und im Gespräch überzeugen würden.
Ein menschliches Erstgespräch kostet ein Unternehmen voll gerechnet deutlich über 50 Euro. Deshalb wird es rationiert. Wenn ein Gespräch nun erheblich weniger kostet, ändert sich diese Rechnung grundlegend, und plötzlich kann jede und jeder Interessierte ein richtiges Gespräch bekommen.
Wald: Was ist das Besondere an Madita? Was können Recruiterinnen und Recruiter von Madita erwarten?
Luther: MADITA führt ein strukturiertes Gespräch von etwa 15 bis 25 Minuten, per Sprache, auf Wunsch sofort nach der Bewerbung, sonntagabends um 21 Uhr oder morgens um sechs. Sie kennt die Stelle und die Unterlagen, sie fragt nach, wenn eine Antwort dünn bleibt, und sie beantwortet auch Fragen der Bewerbenden. In über 90 Sprachen, mit demselben Standard in jedem Land.
Das Team bekommt danach keine Blackbox, sondern eine Bewertung entlang der Kriterien, die es selbst gesetzt hat, dazu Zusammenfassung, vollständiges Transkript und Audio-Highlights. Bewusst nicht dabei: ein Gesamtscore. Eine einzige Zahl verführt dazu, nicht mehr hinzuschauen, und genau das wollen wir nicht. Ebenfalls nicht dabei: jede Form von Emotions- oder Persönlichkeitsanalyse aus der Stimme.
Praktisch heißt das: Terminfindung fällt weg, Vorqualifizierung fällt weg, Absagen ohne Rückmeldung fallen weg, und der Fachbereich bekommt zum ersten Mal vergleichbare Informationen über alle Kandidatinnen und Kandidaten statt Bauchgefühl aus vier Telefonaten. Und der Punkt, der in Deutschland am meisten zählt: MADITA ist in Europa gebaut, für europäisches Recht. DSGVO-konform, mit Einwilligung und Transparenzhinweis vor jedem Gespräch, mit Löschkonzept, ohne dass Bewerberdaten in irgendein Modelltraining fließen. Wir behandeln die Anwendung als Hochrisiko-System im Sinne des EU AI Act und haben Human-in-the-Loop und die Dokumentation von Anfang an eingebaut. Die US-Anbieter können das technisch alle, rechtlich aber nicht, und sie können Ihnen theoretisch morgen abgeschaltet werden.
Wald: Was sagen Sie zu den Ängsten (FOBO) bei den Recruiterinnen und Recruitern durch den verstärkten Einsatz von KI?
Luther: Ich halte nichts davon, die Angst wegzumoderieren, also sage ich es direkt: Ein Teil der Arbeit verschwindet. Wer pro Woche 25 nahezu identische Telefonscreenings führt, wird diese 25 Screenings nicht behalten. Das ist auch keine Arbeit, für die jemand Recruiting studiert oder gelernt hat. Was bleibt, ist der Teil, für den in den letzten Jahren nie Zeit war. Wie eine Stelle überhaupt zugeschnitten und positioniert wird. Welche Kandidatin man aktiv gewinnt, statt sie nur zu verwalten. Wie man die Führungskraft berät, die zum vierten Mal ein Profil sucht, das es am Markt nicht gibt. Wo Budget hingeht. Das sind Gestaltungsfragen, und sie sind anspruchsvoller als das, was heute den Kalender füllt. Die Software-Entwicklung hat diesen Schritt gerade hinter sich. Die stärksten Entwicklerinnen und Entwickler schreiben nicht mehr jede Zeile selbst, sie briefen und prüfen. Deren Wert ist dadurch gestiegen, nicht gesunken. Zwei Dinge sage ich trotzdem dazu, weil sie zusammengehören. MADITA entscheidet nichts, sie liefert Sachstände, die Auswahl bleibt im Team, und zwar nicht aus Höflichkeit, sondern weil alles andere rechtlich nicht haltbar wäre. Und: Die berechtigte Sorge ist nicht, dass eine KI Ihren Job übernimmt. Sie ist, dass eine Kollegin, die souverän mit KI arbeitet, in zwei Jahren dreimal so viele Stellen besetzt wie Sie. Dagegen hilft Ausprobieren, nicht Abwarten.
Wald: Kommen wir jetzt zum Agentic Recruiting Forum am 25. August 2026. Wie ist es gelaufen? Gibt es ggf. bereits Erfahrungen von Testnutzern?
Luther: Das Forum lief am 25. August, mit über 1.000 Teilnehmer:innen, ehrlich gesagt deutlich mehr, als wir erwartet hatten. Die Aufzeichnung gibt es auf https://madita.ai/forum-2026 Besonders stark fand ich die Kundenbeiträge. Annika Arzdorf von der AXA Direktberatung und Kristin Werner von Televic haben erzählt, wie der Einstieg tatsächlich abläuft, inklusive der Gespräche mit Betriebsrat und Datenschutz. Das ist der Teil, den man von einem Anbieter nicht glauben muss.
Zu den Erfahrungen: Wir befragen nach jedem Gespräch die Bewerbenden. 81 Prozent geben vier oder fünf von fünf Sternen darauf, ob sie es wieder tun würden, 88 Prozent finden die Länge passend, 75 Prozent fühlen sich verstanden. Ein Kandidat für eine Führungsposition hat an einem Sonntagabend freiwillig 54 Minuten gesprochen und danach gesagt, das sei besser gewesen als ein Telefoninterview mit einem menschlichen Recruiter. Ein anderer verglich uns mit einem KI-Videointerview-Anbieter und schrieb, MADITA sei „um Welten besser". Bei der AXA lag die Zufriedenheit im Pilot bei 4,6 von 5 über 45 Gespräche. Was nicht funktioniert hat, sage ich gleich dazu, weil es der wichtigere Teil des Feedbacks war: Im gewerblichen Bereich waren unsere Gespräche anfangs zu lang und die Nachfragen zu tief. Wer sich als Lagermitarbeiter bewirbt, will kein 25-minütiges Kompetenzinterview. Wir haben Länge und Sprachniveau daraufhin pro Zielgruppe steuerbar gemacht.
Wald: Ich bin mir sicher, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des HR Innovation Days viele Fragen zu Madita stellen werden.
Luther: Darauf hoffe ich, und ich hätte gern die unangenehmen. Erfahrungsgemäß kommen drei immer.
- Was sagt der Betriebsrat. Antwort: Er fragt zuerst nach Leistungs- und Verhaltenskontrolle, und die betrifft die Beschäftigten, nicht die Bewerbenden. Wir bringen eine Verfahrensdokumentation mit, die genau diese Sitzung vorbereitet.
- Machen Bewerbende das überhaupt mit. Antwort: Ja, deutlich bereitwilliger als von Recruiting-Verantwortlichen erwartet, siehe die Zahlen oben. Der Grund ist banal, nämlich Terminfreiheit und keine Wartezeit.
- Und: Was passiert mit den Daten. Antwort: Verarbeitung in Europa, Löschung nach sechs Monaten oder früher, kein Training auf Bewerberdaten, ISO 27001 in Vorbereitung.
Montag, 24. August 2026
Transparenz ohne Erklärung ist ein Risiko. Warum die Entgelttransparenzrichtlinie kein Reporting-Projekt ist
Vor elf Jahren habe ich beim HR Innovation Day über Equal Pay gesprochen - damals ging es noch darum zu belegen, dass es die Lücke überhaupt gibt. Heute bestreitet das niemand mehr, nur erklären kann sie kaum jemand: Der unbereinigte Gender Pay Gap ist seit 2015 von 22 auf 16 Prozent gefallen, der bereinigte von 7 auf 6. Genau diesen unerklärten Rest macht die EU-Entgelttransparenzrichtlinie sichtbar – während das deutsche Umsetzungsgesetz weiter auf sich warten lässt und das erste Berichtsjahr längst läuft. Ich zeige, warum die Richtlinie ihren zentralen Begriff, die gleichwertige Arbeit, bewusst undefiniert lässt und die Auslegung damit in die Unternehmen verlagert. Und ich zeige anhand von Entgeltanalysen aus über 600 Organisationen drei Muster, die immer wieder auftauchen – und warum dieselbe Kennzahl drei völlig verschiedene Handlungsempfehlungen bedeuten kann.
Donnerstag, 13. August 2026
HR Innovation Day 2026 und Goodbye am 30. September 2026 an der HTWK in Leipzig
(aka Data Dan; Expert for P&O AI Solutions bei Siemens)
Co-Founder & CEO at HeyJobs // Founder at MADITA
Philipp Schuch (Statement)
(Gründer und CEO von gradar – Der Erfahrungsträger zum Thema Entgeltransparenz)
Henrik Zaborowski
(aka der „Luther des Recruitings“; Recruitingspezialist)
Weitere Impulsgeber sind angefragt.
„Meine Absolventinnen und Absolventen“, Junge (& ältere) HR Professionals, an aktuellen HR- und Führungs-Themen Interessierte
per Mail peter.m.wald@htwk-leipzig.de oder über LinkedIn #HRInnoDay26
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Peter M. Wald, Fakultät Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftsingenieurwesen der HTWK Leipzig
(Gustav-Freytag-Str. 42 in 04277 Leipzig)
Ich freue mich sehr auf das Wiedersehen in Leipzig.
Peter (M. Wald)
Dienstag, 4. August 2026
HR Innovation Day 2026 und Abschied - Am 30. September 2026 an der HTWK Leipzig
Herzliche Grüße aus Leipzig
Euer/Ihr Peter (M. Wald)
Freitag, 31. Juli 2026
Wie entwickelt sich der Stellenmarkt? Bilanz des ersten Halbjahrs 2026 - Interview mit Jürgen Grenz
Grenz: Sehr gerne. Ich freue mich auf das Gespräch.
Wald: Lassen Sie uns den Blick auf das erste Halbjahr 2026 richten. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bin ich gespannt, wie sich der Stellenmarkt insgesamt entwickelt hat.
Grenz: Die derzeitige Wirtschaftskrise macht sich auch auf dem Stellenmarkt bemerkbar. Die Unternehmen in Deutschland suchen deutlich weniger neue Mitarbeitende. Im ersten Halbjahr 2026 schrieben sie bundesweit rund 5,9 Millionen Stellen öffentlich aus. Das waren 4 Prozent weniger als im Vorjahrszeitraum.
Wald: Lassen sich regionale Schwerpunkte erkennen? Oder waren alle Regionen Deutschlands gleichermaßen vom Stellenrückgang betroffen?
Wald: Gab es auch mit Blick auf einzelne Berufsgruppen nennenswerte Unterschiede?
Grenz: Auch die Nachfrage nach einzelnen Fachkräften hat sich im Vergleichszeitraum sehr unterschiedlich entwickelt. Den stärksten Stellenrückgang gab es bei Verwaltungsjobs mit minus 14 Prozent sowie im Personalwesen mit minus 10 Prozent. In diesen Bereichen besetzen viele Arbeitgeber frei gewordene Stellen oft nicht nach, wenn es wirtschaftlich schwierig wird.

Grenz: Die mit großem Abstand meisten Stellen veröffentlichten die Arbeitgeber für Bauarbeiter und Handwerker mit fast 1,3 Millionen Jobs. Mit insgesamt rund einer Million Stellen richteten sich die meisten Jobangebote an technische Fachkräfte wie Ingenieure und Architekten. Zudem wurden mit fast 920.000 Stellen überproportional viele Jobs für Gesundheits- und Pflegepersonal ausgeschrieben.
Wald: Derzeit wird viel über die geringere Zahl an Stellen für Berufseinsteiger berichtet. Können Sie diese Entwicklung bestätigen?
Grenz: Absolventen haben es derzeit besonders schwer, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Das zeigen unsere Stellenmarktdaten ganz deutlich. Im ersten Halbjahr 2026 ging das Ausbildungsplatzangebot um 12 Prozent zurück. Noch stärker traf es Young Professionals. Damit sind Hochschulabsolventen mit maximal drei Jahren Berufserfahrung gemeint, also Jobs für Trainees, Volontäre, Junioren und Direkteinsteiger nach dem Studium. Für sie sank das Stellenangebot um 27 Prozent.
Wald: Obwohl es die EU-Entgelttransparenzrichtlinie gibt, ist in Deutschland bisher kein Entgelttransparenzgesetz verabschiedet worden. Wie sieht es mit dem Anteil von Stellenanzeigen mit Gehaltsangaben aus?
Grenz: Bei der Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht steht die Bundesregierung in der Pflicht. Die große Koalition hat bekanntlich die Frist am 7. Juni verstreichen lassen. Vorweg möchte ich noch mit einem Missverständnis aufräumen.
Wald: Was genau meinen Sie?
Grenz: Entgegen einer weit verbreiteten Annahme verpflichtet die EU-Entgelttransparenzrichtlinie Unternehmen nicht dazu, das konkrete Gehalt oder eine Gehaltsspanne in Stellenanzeigen zu nennen. Gemäß Artikel 5 der Richtlinie müssen Arbeitgeber Bewerbern zwar Informationen bereitstellen, damit diese Gehaltsverhandlungen fundiert führen können. Dies kann in der Stellenanzeige geschehen, aber auch vor dem Vorstellungsgespräch oder auf anderen Wegen.
Wald: Wie sieht es dennoch mit der Gehaltstransparenz bei Stellenanzeigen deutscher Unternehmen aus?
Grenz: Bislang halten sich die Arbeitgeber in Deutschland mit Gehaltsangaben in Stellenanzeigen weitestgehend zurück. Im ersten Quartal 2026 beispielsweise stand das Gehalt bzw. eine Gehaltsspanne in lediglich rund 23 Prozent der veröffentlichten Stellen. Dieser Wert hat sich im Vergleich zu den Vorjahreszeiträumen kaum verändert.
Wald: Künstliche Intelligenz kommt inzwischen in vielen Unternehmensbereichen zum Einsatz. Werden die gewünschten KI-Kenntnisse bereits direkt in den Stellenanzeigen genannt?
Grenz: Ja, und die Tendenz ist stark steigend. Im zweiten Quartal 2026 standen KI-Kompetenzen im Anforderungsprofil von fast 44.800 Stellenangeboten. Das waren fast zwei Drittel mehr Stellen als im zweiten Quartal 2025. Allerdings betrug der Anteil der Stellen mit KI-Bezug am gesamten Stellenangebot in Deutschland im zweiten Quartal dieses Jahres lediglich 1,4 Prozent.
Wald: In welchen Bereichen suchten Unternehmen die meisten KI-Experten?
Grenz: Wenig überraschend standen Kenntnisse rund um Künstliche Intelligenz am häufigsten in Stellenangeboten für Informatiker mit rund 13.100 Erwähnungen. Es folgten Positionen für Fachkräfte in den Bereichen technische Entwicklung, Konstruktion und Produktionssteuerung mit circa 9.300 Nennungen. Aufschlussreicher als der Blick auf die einzelnen Berufsgruppen ist jedoch die Branchenbetrachtung.
Wald: Welche Besonderheiten gibt es bei den Branchen?
Grenz: Die meisten Stellen für KI-Experten kamen aus der IT-Branche. Auffällig ist die Branche mit den zweitmeisten ausgeschriebenen Stellen mit KI-Bezug. Dabei handelt es sich um die Personaldienstleistungsbranche, also um Personalberatungen, -vermittlungen und Zeitarbeitsfirmen. Sie schrieben im Auftrag von Kundenunternehmen fast 6.400 entsprechende Stellen aus. Unternehmen beauftragen externe HR-Dienstleister erfahrungsgemäß vor allem, um Schlüsselrollen zu besetzen. Das scheint bei KI-Experten der Fall zu sein.
Wald: Wie ist Ihr Ausblick auf die Entwicklung der Stellenanzeigen in der zweiten Jahreshälfte 2026?
Grenz: Das ist schwer zu sagen. Das hängt von vielen Faktoren ab. Niemand kann derzeit seriös prognostizieren, wie sich die Weltwirtschaft entwickeln wird. Sie beeinflusst den Arbeitsmarkt einer Exportnation wie Deutschland seit jeher in besonderem Maße. Dasselbe gilt für die wirtschaftliche Situation von Schlüsselindustrien im Inland wie der Automobilbranche. Und Arbeitsmarktreformen der Bundesregierung, wenn sie denn endlich kommen, werden sich erst mit zeitlichem Abstand auf den Stellenmarkt auswirken.
Wald: Sind in Zukunft weitere Innovationen bei den Leistungsangeboten der Index-Gruppe zu erwarten?
Grenz: index hat im zweiten Halbjahr Großes vor. Konkret geht es um unser Kernprodukt Index-Anzeigendaten, das Vertriebssystem für Personaldienstleister, Zeitungsverlage, Jobbörsen und Agenturen. Die Details dazu verraten wir gerne im nächsten Interview.
Wald: Ganz herzlichen Dank für das erneute, sehr informative Gespräch. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Unternehmen weiterhin viel Erfolg.
Grenz: Sehr gerne, Herr Prof. Wald.
Mein Gesprächspartner Jürgen Grenz ist CEO der 1994 gegründeten Index-Gruppe, die heute mehr als 200 Mitarbeitende beschäftigt. Unter ihrem Dach vereint die Unternehmensgruppe diese Marken: Die Personalmarktforschung Index-Research, das Vertriebssystem Index-Anzeigendaten, die HR-Marketing-Agentur Index, der Outplacement-Service Talent-Placement und die Index Business Innovation Consulting, eine Unternehmensberatung für Personaldienstleister.







