Mittwoch, 1. Februar 2017

Die digitale Denke im Unternehmen etablieren - 5 (+1) Frage/n zu den Erwartungen an das Personalmanagement

Es stimmt: Über Personaler und das Personalmanagement wird im Moment viel gesprochen - weniger mit den Personalern. Bei diesen Diskussionen geht es die gegenwärtigen Prozesse und Leistungen aber zunehmend auch um die Perspektive von „HR“ insgesamt. Diese oft mit ungewohnter Schärfe vorgetragenen kontroversen Meinungen sind für mich Anlass, eine Interviewreihe mit Kunden, Partnern und Insidern des Personalmanagements zu starten. Heute spreche ich mit Björn Negelmann, Programmkoordinator der Konferenzen von Kongress Media, die sich in verschiedenen Veranstaltungen (u. a. im Rahmen der CeBIT) mit den Veränderungen der Unternehmen durch den Einsatz neuer sozialer Technologien beschäftigen. Im lesenswerten Veranstaltungsblog Blog.Enterprise-Digital.Net gelingt es ihm, viele eigene Akzente bei den derzeit laufenden Diskussionen aus Sicht eines Social Business-Spezialisten zu setzen. Ich danke ihm für die Teilnahme am Interview und bitte ihn, sich kurz vorzustellen. Daran schließen sich meine Fragen an.

Björn Negelmann
Negelmann: Ich bin Teil von Kongress Media. Wir versuchen als Veranstaltungsunternehmen die Diskussion um die digitale Transformation und die damit zusammenhängenden Veränderungen in den Unternehmen zu begleiten und auch durchaus eigene Impulse zu setzen.

Wald: Vielen Dank für die kurze Vorstellung. Wie ist Ihre Position im Personalmanagement bzw. worin bestehen Ihre konkreten Schnittstellen zum Personalmanagement?
Negelmann: Mein Anknüpfungspunkt zum Personalmanagement liegt darin, dass die digitale Transformation im Allgemeinen und der Einsatz von sozialen Technologien am digitalen Arbeitsplatz im Konkreten immer mehr als nur technologischer Anstrengungen bedarf, um erfolgreich zu sein. Das Personalmanagement - im Hinblick auf seine Aufgabe in der Entwicklung der Humanressourcen wie aber auch der Organisation - nimmt hier eine entscheidende Rolle ein, die lange Zeit in den digitalen Projekten vernachlässigt bzw. nachrangig betrachtet wurde. Gleichsam haben aber auch Personalmanager vielerorts bis heute leider noch nicht die Chancen der technologischen Konzepte für die Gestaltung des eigenen Handlungsraumes verstanden.

Wald: Wie schätzen Sie den gegenwärtigen Status bzw. das Standing der Personaler insgesamt ein?
Negelmann: Meine diesbezügliche Bewertung konzentriert sich im Wesentlichen auf das Standing bzw. das Verständnis der Personaler in ihrer Rolle für die digitale Transformation und den damit verbundenen Veränderungsprozess. Hierbei sehe ich - wie schon oben angeführt -, dass noch zu viele “Personaler” die Chancen der Zukunftsgestaltung für die digitale Organisation nicht wahrnehmen. Die Gründe sind vielfältig und mitunter gar nicht bei den Personen selbst zu suchen. Oft verlangt das aktuelle Tagesgeschäft - sprich die Prozessabwicklung im Personalmanagement - bereits alle verfügbaren Ressourcen, so dass für Zukunftsentwicklung und Neuorientierung nur selten Zeit bleibt. Auf der anderen Seite stellen wir aber dann doch auch eine wachsende Zahl von Verantwortlichen aus dem Personalwesen bei unseren Veranstaltungen fest, die in letzter Zeit in die oft interdisziplinären Teams rund um die digitale Transformation hinzugezogen wurden, was natürlich ein positives Zeichen ist.

Wald: Was meinen Sie, warum wird das Personalmanagement heute (trotzdem) so oft und teilweise heftig kritisiert?
Negelmann: Die große Herausforderung der Unternehmen liegt in der strukturellen Veränderung durch die digitale Welt - für die Organisation im Kleinen wie auch für die Prozesse und Geschäftsmodelle im Großen. Dies verlangt Anpassung der Arbeitsweisen wie auch Organisationsstrukturen, Veränderung der individuellen Aus- und Fortbildungskonzepte wie Prozessdefinitionen sowie der Justierung der kulturelle Gegebenheiten auf eine “digitale Denke”. Dies ist eine Mammutaufgabe - die in jeglicher Hinsicht auch das Engagement der Personalverantwortlichen bedarf. Die Kritik liegt sicherlich weitgehend darin begründet, dass - wie auch schon angeführt - die Personalverantwortlichen erst zögerlich dieser Aufgabe mit annehmen.

Wald: Wo sehen Sie in der nächsten Zeit konkreten Änderungsbedarf bei Leistungen und Angeboten des Personalmanagements?
Negelmann: Ich denke, die einzige Änderung liegt in dem benötigten Verständnis für ihre Rolle in der erfolgreichen Ausgestaltung der digitalen Zukunft der Unternehmen. Digitale bzw. digital transformierte Geschäftsmodelle braucht auch ein digital denkendes Personalmanagement. Oder wie es Karl-Heinz Reitz von Unity Media in einem Interview in unserem Blog gesagt hat: “[Die große Herausforderung für HR liegt darin,] Digitalisierung zu einem „omni-präsenten“ Thema in der Organisation zu machen. Die Ängste abzubauen, es handele sich um eine versteckte Restrukturierungs-Maßnahme zwecks Personalabbau, Neugierde zu wecken und Chancen aufzeigen, die den Job einfacher und interessanter machen.”

Wald: Was werden die Schwerpunkte des Personalmanagements in 10 Jahren sein?
Negelmann: Die digitale Denke im Unternehmen zu etablieren, die für das digitale Zeitalter angepassten Kompetenzen und Fähigkeiten bei den Mitarbeitern aufzubauen und die Restrukturierung der Organisation für das digital transformierte Geschäftsmodell voranzubringen.

Wald: Jetzt zur Frage 5+1 (für meine Alumni und Studierenden) Was empfehlen Sie jungen Personalern bzw. Studierenden, die eine Laufbahn im Bereich HR anstreben? Worauf sollten diese achten? Was ist und was wird wichtig?
Negelmann: Den Brückenschlag zwischen Alt und Neu herzustellen. An der digitalen Transformation führt kein Weg vorbei. Die alten Strukturen und Prozesse sind aber nicht komplett abzuschalten, da sie das finanzielle Rückgrat für den fortlaufenden Veränderungsprozess bedeuten. Die Verantwortlichen in HR müssen daher noch über einige Jahre bis Jahrzehnte in den zwei Welten leben und denken. Darauf sollten sie sich heute schon einstellen. Denn der Wandel braucht Zeit.

Wald: Lieber Herr Negelmann, ganz herzlichen Dank für Ihren Input für die laufende Interviewserie. Ich wünsche Ihnen weiterhin viele "digitale" Erfolge, immer zahlreiche neue Ideen und viele aufgeschlossene Teilnehmer/innen an Ihren Veranstaltungen.

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