Die Diskussionen über Personalmaßnahmen reichen derzeit vom Stellenabbau bis hin zum anhaltenden Fachkräftemangel. Bei Fragen zu diesen und weiteren relevanten Entwicklungen auf dem Stellenmarkt greife ich seit Jahren auf die kompetenten Einschätzungen von Jürgen Grenz zurück. Grenz ist CEO der in Berlin ansässigen index Gruppe. Seine fundierten Analysen thematisiere ich regelmäßig in meinen Lehrveranstaltungen. Sie helfen mir zudem dabei, Führungskräfte und HR-Verantwortliche für aktuelle Entwicklungen am Arbeitsmarkt zu sensibilisieren.
Wald: Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für ein erneutes Interview nehmen.
Grenz: Sehr gerne, ich freue mich über Ihr Interesse.
Wald: Zu Beginn interessiert mich natürlich, wie es der index Gruppe im zurückliegenden Jahr ergangen ist.
Grenz: 2025 stand auch für die index Gruppe ganz im Zeichen der schwierigeren Lage auf dem Arbeitsmarkt, die insbesondere unsere Kunden aus der Personaldienstleistung getroffen hat. Viele Player der Branche bekommen in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation deutlich weniger Suchaufträge von Unternehmen. Gleichzeitig sind eingehende Aufträge oft nur schwer oder gar nicht zu besetzen, weil es am Markt schlichtweg keine qualifizierten Kandidaten gibt. Auf der Basis einer Analyse, wie unsere Kunden mehr Erfolg haben könnten, haben wir den Profilvertrieb als zentralen Ansatzpunkt identifiziert. Der Profilvertrieb dreht den Prozess um. Personaldienstleister nutzen dabei ihren vorhandenen Bewerberpool mit Kandidaten und platzieren diese dann aktiv bei personalsuchenden Unternehmen. Unser Produktentwicklungsteam hat Anfang letzten Jahres den Salesdriver entwickelt, ein Tool, das den Profilvertrieb unterstützt und für das wir auch einen Preis bekommen haben.
Wald: Wie unterstützt der Salesdriver den Profilvertrieb konkret?
Grenz: Personaldienstleister profitieren im Profilvertrieb folgendermaßen vom Salesdriver: Im ersten Schritt laden die Disponenten in den Niederlassungen den CV eines Kandidaten in das Vertriebssystem index Anzeigendaten hoch. Eine KI matcht den Lebenslauf dann innerhalb weniger Sekunden mit aktuellen Stellenanzeigen. Daraus entsteht dann eine Liste passender Zielfirmen. Zu jeder Position der Zielfirmenliste erstellt der Salesdriver einen Gesprächsleitfaden mit allen Argumenten, warum der Kandidat gerade zu dieser Stelle gut passt. So können die Disponenten ohne aufwendige Vorarbeit deutlich mehr personalsuchende Unternehmen anrufen und ihre Kandidaten platzieren.
Wald: Mit welchen Erwartungen starten Sie und die index Gruppe in das Jahr 2026?
Grenz: Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Vielen Unternehmen fehlt daher die Planungssicherheit. Das trifft Personaldienstleister ganz besonders. Gleichzeitig kann die Krise auch ein Anstoß sein, das eigene Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Wer vom alleinigen auftragsbasierten Modell zusätzlich auch in den Profilvertrieb einsteigt, verschafft sich einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Wald: Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Stellenangebots insgesamt? Bleibt es hier, wie im letzten Jahr, bei einer eher pessimistischen Einschätzung?
Grenz: Leider ja, denn eine nachhaltige konjunkturelle Erholung ist trotz der höheren öffentlichen Investitionen mittelfristig nicht in Sicht. Die schwierige wirtschaftliche Lage spiegelt sich auch im Stellenangebot wider. Im Gesamtjahr 2025 schrieben Unternehmen und Behörden bundesweit rund 11 Millionen Stellen öffentlich aus. Das waren 5 Prozent weniger als 2024. In fast allen Berufsgruppen ging das Stellenangebot im Jahresvergleich zurück.
Wald: Derzeit forsche ich intensiv zum Thema „Deskless Work”. Dazu zähle ich vor allem Blue-Collar-Worker, Pflegekräfte und Handwerker. Wie hat sich die Nachfrage nach diesen Beschäftigungsgruppen entwickelt?
Grenz: Deskless Worker sind nach wie vor stark gefragt. 2025 entfielen mit großem Abstand die meisten Stellenausschreibungen berufsübergreifend auf das Bauwesen und Handwerk mit rund 2,4 Millionen Positionen. Für Gesundheits- und Pflegekräfte wurden fast 1,7 Millionen Positionen ausgeschrieben. In den Bereichen Transport, Verkehr, Logistik und Lager waren es rund 928.000 Stellen. Trotz dieser insgesamt hohen Nachfrage schalteten Arbeitgeber für diese Berufsgruppen 2025 weniger Stelleninserate als im Vorjahr.
Wald: Gibt es bei klassischen Bürojobs, wie zum Beispiel IT-Spezialisten, andere Entwicklungen?
Grenz: Informatiker gehören zu den wenigen Berufsgruppen, für die das Stellenangebot im vergangenen Jahr gestiegen ist. Genau gesagt um 5 Prozent gegenüber 2024, ebenso wie die Ausschreibungen für Mitarbeitende im Vertrieb und Verkauf sowie in den Bereichen Wissenschaft und Weiterbildung. Im Rechts- und Steuerwesen nahm das Jobangebot um 3 Prozent zu. Bei Consultants lag der Zuwachs bei einem Prozent.

Wald: Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für ein erneutes Interview nehmen.
Grenz: Sehr gerne, ich freue mich über Ihr Interesse.
Wald: Zu Beginn interessiert mich natürlich, wie es der index Gruppe im zurückliegenden Jahr ergangen ist.
Grenz: 2025 stand auch für die index Gruppe ganz im Zeichen der schwierigeren Lage auf dem Arbeitsmarkt, die insbesondere unsere Kunden aus der Personaldienstleistung getroffen hat. Viele Player der Branche bekommen in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation deutlich weniger Suchaufträge von Unternehmen. Gleichzeitig sind eingehende Aufträge oft nur schwer oder gar nicht zu besetzen, weil es am Markt schlichtweg keine qualifizierten Kandidaten gibt. Auf der Basis einer Analyse, wie unsere Kunden mehr Erfolg haben könnten, haben wir den Profilvertrieb als zentralen Ansatzpunkt identifiziert. Der Profilvertrieb dreht den Prozess um. Personaldienstleister nutzen dabei ihren vorhandenen Bewerberpool mit Kandidaten und platzieren diese dann aktiv bei personalsuchenden Unternehmen. Unser Produktentwicklungsteam hat Anfang letzten Jahres den Salesdriver entwickelt, ein Tool, das den Profilvertrieb unterstützt und für das wir auch einen Preis bekommen haben.
Wald: Wie unterstützt der Salesdriver den Profilvertrieb konkret?
Grenz: Personaldienstleister profitieren im Profilvertrieb folgendermaßen vom Salesdriver: Im ersten Schritt laden die Disponenten in den Niederlassungen den CV eines Kandidaten in das Vertriebssystem index Anzeigendaten hoch. Eine KI matcht den Lebenslauf dann innerhalb weniger Sekunden mit aktuellen Stellenanzeigen. Daraus entsteht dann eine Liste passender Zielfirmen. Zu jeder Position der Zielfirmenliste erstellt der Salesdriver einen Gesprächsleitfaden mit allen Argumenten, warum der Kandidat gerade zu dieser Stelle gut passt. So können die Disponenten ohne aufwendige Vorarbeit deutlich mehr personalsuchende Unternehmen anrufen und ihre Kandidaten platzieren.
Wald: Mit welchen Erwartungen starten Sie und die index Gruppe in das Jahr 2026?
Grenz: Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Vielen Unternehmen fehlt daher die Planungssicherheit. Das trifft Personaldienstleister ganz besonders. Gleichzeitig kann die Krise auch ein Anstoß sein, das eigene Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Wer vom alleinigen auftragsbasierten Modell zusätzlich auch in den Profilvertrieb einsteigt, verschafft sich einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Wald: Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Stellenangebots insgesamt? Bleibt es hier, wie im letzten Jahr, bei einer eher pessimistischen Einschätzung?
Grenz: Leider ja, denn eine nachhaltige konjunkturelle Erholung ist trotz der höheren öffentlichen Investitionen mittelfristig nicht in Sicht. Die schwierige wirtschaftliche Lage spiegelt sich auch im Stellenangebot wider. Im Gesamtjahr 2025 schrieben Unternehmen und Behörden bundesweit rund 11 Millionen Stellen öffentlich aus. Das waren 5 Prozent weniger als 2024. In fast allen Berufsgruppen ging das Stellenangebot im Jahresvergleich zurück.
Wald: Derzeit forsche ich intensiv zum Thema „Deskless Work”. Dazu zähle ich vor allem Blue-Collar-Worker, Pflegekräfte und Handwerker. Wie hat sich die Nachfrage nach diesen Beschäftigungsgruppen entwickelt?
Grenz: Deskless Worker sind nach wie vor stark gefragt. 2025 entfielen mit großem Abstand die meisten Stellenausschreibungen berufsübergreifend auf das Bauwesen und Handwerk mit rund 2,4 Millionen Positionen. Für Gesundheits- und Pflegekräfte wurden fast 1,7 Millionen Positionen ausgeschrieben. In den Bereichen Transport, Verkehr, Logistik und Lager waren es rund 928.000 Stellen. Trotz dieser insgesamt hohen Nachfrage schalteten Arbeitgeber für diese Berufsgruppen 2025 weniger Stelleninserate als im Vorjahr.
Wald: Gibt es bei klassischen Bürojobs, wie zum Beispiel IT-Spezialisten, andere Entwicklungen?
Grenz: Informatiker gehören zu den wenigen Berufsgruppen, für die das Stellenangebot im vergangenen Jahr gestiegen ist. Genau gesagt um 5 Prozent gegenüber 2024, ebenso wie die Ausschreibungen für Mitarbeitende im Vertrieb und Verkauf sowie in den Bereichen Wissenschaft und Weiterbildung. Im Rechts- und Steuerwesen nahm das Jobangebot um 3 Prozent zu. Bei Consultants lag der Zuwachs bei einem Prozent.
Wald: Welche Unterschiede zeigen sich hinsichtlich des Qualifikations- und Erfahrungsniveaus der gesuchten Fachkräfte?
Grenz: Unternehmen suchen deutlich mehr Fachkräfte mit Ausbildung und Berufserfahrung als Akademiker. 2025 konnten sich klassische Fachkräfte bundesweit auf fast 3,4 Millionen Positionen bewerben. Für Akademiker waren es lediglich rund 1,6 Millionen Stellen. Zudem sind den Unternehmen auch Nachwuchskräfte sehr wichtig. Für Praktikanten und Werkstudierende stieg das Stellenangebot im Jahresvergleich um 4 Prozent. Die Anzeigenschaltung für Young Professionals, also Hochschulabsolventen mit maximal drei Jahren Berufserfahrung, legte um 3 Prozent zu.
Wald: Gab es regionale Unterschiede bzw. Schwerpunkte, die hervorgehoben werden können?
Grenz: Kaum. Mit rund 2,1 Millionen öffentlich ausgeschriebenen Stellen gab es die meisten Jobchancen im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Bayern mit rund 1,8 Millionen Stellen und Baden-Württemberg mit fast 1,5 Millionen Stellen. Unter den neuen Bundesländern führte Sachsen mit nahezu 517.000 Stellen. Leipzig war mit fast 114.000 Stellen die ostdeutsche Jobhochburg. Prozentual sank das Stellenangebot 2025 verglichen mit 2024 in allen Bundesländern bis auf eine Ausnahme. Berlin verzeichnete ein moderates Plus von 2 Prozent.
Wald: In einem unserer letzten Gespräche hatten wir auch den Blick auf Stellenanzeigen im HR-Bereich gerichtet. Sie haben dabei nachdrücklich auf die Gefahr unterbesetzter HR-Bereiche hingewiesen. Wie ist die aktuelle Situation hier zu bewerten?
Grenz: Das Stellenangebot im Personalwesen sank im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent. Keine andere Berufsgruppe verzeichnete einen so starken Rückgang. Kurzfristig ist dieser Stellenrückgang nachvollziehbar, da Unternehmen mit einem geringeren Personalbedarf zumindest weniger Recruiter benötigen. Langfristig ist dieser Trend jedoch riskant. In ausgedünnten Personalabteilungen bleibt oft nur Zeit für administrative Aufgaben. Die strategische Arbeit und die Personalentwicklung der Belegschaft, die vielen HR-Mitarbeitenden sehr am Herzen liegt, geraten dabei ins Hintertreffen.
Wald: Wie hat sich der Anteil der Stellenanzeigen, in denen Kenntnisse im Bereich KI erwähnt werden, im Zeitverlauf verändert?
Grenz: KI-Kenntnisse gewinnen weiter an Bedeutung. Ihre Erwähnung im Anforderungsprofil von Stellenanzeigen steigt seit langem. Im vierten Quartal 2025 tauchten sie mit fast 21.800 Nennungen am häufigsten in Anzeigen für Informatiker und andere IKT-Experten auf. Mit rund 14.000 Erwähnungen nannten Arbeitgeber am zweithäufigsten KI-Know-how in Stellen für Fachkräfte in der technischen Entwicklung, Konstruktion und Produktionssteuerung.
Wald: Planen Sie Veränderungen bei den Leistungsangeboten der index Gruppe?
Grenz: Ja. Wir werden unser Leistungsportfolio rund um Vertriebsdaten, Personalmarktforschung, Outplacement, Employer Branding und Consulting weiter ausbauen. Unser Ziel bleibt dabei unverändert: Wir möchten Personaldienstleister und andere HR-Experten bestmöglich unterstützen.
Wald: Ganz herzlichen Dank für das erneut sehr informative Gespräch. Ich wünsche Ihnen und der index Gruppe ein erfolgreiches Jahr 2026 und freue mich auf die nächsten Gespräche mit Ihnen.
Grenz: Sehr gerne, Herr Prof. Wald.

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