Dienstag, 10. Juli 2018

It’s Employee Experience, stupid - Ein Rückblick auf die Keynotes des HR Innovation Days 2018

Was lange währt ... aber die letzten Semesterwochen hatten es wahrlich in sich. In den letzten Tagen hatte ich endlich Zeit, um nach dem ersten Rückblick in Tweets (über Wakelet) über die Kernaussagen der Keynotes nachzudenken. Eins vornweg: Beim HR Innovation Day geht es zunehmend nicht nur um neue Werkzeuge für die Personalarbeit, sondern auch um neue Einstellungen, Kenntnisse und Arbeitsweisen, die für eine erfolgreiche Personalarbeit in Zukunft unverzichtbar sein werden. Für dieses Ansatz haben sich bei der siebten Auflage des HR Innovation Days 160 Teilnehmer/innen interessiert. Damit haben wir einen Teilnehmer/innen-Rekord erreicht und die Werte der letzten Jahre weit übertroffen. Auch bei der Internationalisierung unseres Events sind wir weiter vorangekommen. Mit zwei englischsprachigen Keynotes (Tom Haak aus den Niederlanden und Rebecca Lundin aus Schweden) sowie einem englischsprachigen Workshop (Andras Viscek aus Ungarn) konnten wir uns 2018 auch international stärker positionieren.

Was waren die Top-Themen der diesjährigen Keynotes? Nachdem in den letzten Jahren die digitalen Hilfsmittel des Personalmanagements im Zentrum standen und aktuelle Entwicklungen im Recruiting umfassend diskutiert wurden, ging es in den Keynotes 2018 vor allem um die Wirkungen dieser neuen Werkzeuge bei den Mitarbeiter/innen. Dadurch rückten das Erleben und die Erfahrungen der Mitarbeiter/innen mit der Personalarbeit - die Employee Experience - in den Mittelpunkt der Betrachtung. Mit einer zunehmenden Berücksichtigung der Aufmerksamkeit bzw. der Erwartungen, d.h. mit einer konsequenten Gestaltung des Erlebens (Experience Management) wird eine Neuausrichtung der Personalarbeit möglich. Hierbei wird auf das Konzept des Experience Managements zurückgegriffen und an die Erfordernisse des Personalmanagements adaptiert.

Für die meisten Personaler bedeutet jedoch die zentrale Position des Erlebens bzw. der Employee Experience einen Paradigmenwechsel. Es geht künftig weniger darum, ein aus HR-Sicht perfektes System zu implementieren oder sich an vermeintlichen „Best Practices“ zu orientieren, sondern den Fokus konsequent auf die Erwartungen der Mitarbeiter/innen und das konkrete Erleben der Personalarbeit zu legen. In den Keynotes des HR Innovation Days wurde die Möglichkeiten und Erfordernisse eines modernen Employee Experience Managements dargestellt. Häufig wurde darauf verwiesen, dass die Mitarbeiter/innen ein Erleben bzw. Erfahrungen erwarten, wie sie es im privaten Umfeld gewöhnt sind („HR“ als „Lieferheld“).

Wie dies beim Corporate Learning als Lernerlebnis umgesetzt werden kann, hat Kay Liebert (Head of Global Learning Campus, Siemens AG) in seiner Keynote „Pizza, Big Bang und Corporate Learning - oder was hat Lernen mit Künstlicher Intelligenz, Algorithmen und 'Mechanical Turks' zu tun?“ dargestellt.



Kay Liebert stellte in seiner Keynote eindrucksvoll dar, was es bedeutet, Lernerlebnisse nachhaltig zu gestalten. Seine Aufforderung an die anwesenden Personaler, sich sowohl Kenntnisse zu den neuen digitalen Möglichkeiten zu verschaffen als auch hohen Mut bei der Umsetzung zu zeigen, wurde angenommen. Kay Liebert hat dabei hervorgehoben, dass es HR in Zukunft ohne die entsprechende Kenntnisse zur Funktionsweise der digitalen Werkzeuge schwer haben wird.

Tom Haak (HR Trend Institute/Amsterdam) ist ein sehr gern gesehener Keynote-Speaker und verkörperte erneut als einer der 40 führenden Köpfe von HRtech das internationale Moment des HR Innovation Days. In seiner Keynote hat er darauf verwiesen, wie mit dem Einsatz von HRtech, d. h. den technischen Möglichkeiten, das Erleben der Mitarbeiter/innen systematisch gestaltet werden kann.



Dass Entscheidungen zur Employee Experience nicht „aus dem Bauch heraus“, sondern Fakten bzw. Evidenz-basiert sein müssen, hat Daniel Mühlbauer (Managing Director, function(HR), München) mit der Keynote „Mit People Analytics die Employee Experience von morgen gestalten!“ herausgearbeitet und mit konkreten Beispielen aus seiner Beratungspraxis belegt. Aus seiner Sicht sollte sich das Personalmanagement als „Product Owner“ der Employee Experience verstehen und People Analytics als Werkzeug für die weitere Professionalisierung des Personalmanagement annehmen.


Bei der Keynote „Real Time Employee Morale: Why measure daily?“ von Rebecca Lundin (Co-founder, Celpax Engagement Solutions, Stockholm/Sweden) ging es um die Auswirkungen von Führung und Personalarbeit für die Stimmung und das Engagement der Mitarbeiter/innen ging es in der Keynote von Rebecca Lundin. Durch ein kontinuierliches Messen der Stimmung ergeben sich neue Möglichkeiten für eine gezielte Einflussnahme und damit eine nachhaltige Steuerung der Employee Experience.



Um das Erleben bzw. das Erzielen von Aufmerksamkeit ging es auch in der abschließenden Keynote mit dem bekannten „Provotainer“ Martin Gaedt. Es hat den anwesenden Personalern den Spiegel vorgehalten und einmal mehr verdeutlicht, dass Innovationen oft ihre Wurzeln in geänderten Einstellungen und Herangehensweisen haben. Seine Beispiele - auch was das Thema Recruiting betrifft - haben alle Teilnehmer/innen wahrlich mitgerissen und können auch im Video (insbesondere ab 3:15) nachvollzogen werden. Martin Gaedt lieferte mit dieser Keynote den einzigartigen und innovativen Schlussakkord des diesjährigen HR Innovation Days und begründete seine These, dass der sogenannte Fachkräftemangel in erster Linie ein Ideenmangel ist!



Viele der in den Keynotes geäußerten Ideen und Vorschläge zeichnen sich durch einen geänderten Fokus aus. Es geht nicht mehr wie so oft um „die beste Lösung“, die „einfach zu kopieren“ ist. Es scheint auch nicht immer so wichtig zu sein, was technisch möglich ist, sondern wie neue Lösungen und Herangehensweisen bei den Mitarbeiter/innen ankommen oder wie damit umgegangen werden kann. Dies impliziert m. E. auch ein neues Verständnis von Innovationen im Personalmanagement. Diese müssen nicht nur als neue Werkzeuge für die Personalarbeit, sondern unbedingt auch als neue Einstellungen und Arbeitsweisen der Personaler verstanden werden.

In den nächsten Tagen folgt dann endlich auch ein Rückblick auf die Workshops des diesjährigen HR Innovation Days. Also: Stay tuned.

Herzliche Grüße aus Leipzig

Peter (M. Wald)

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